Bei der Urdorfer Feuerwehr kommt es im November zum Kommandowechsel: René Kern tritt altershalber ab und übergibt an Christian Ebnöther. Als Novum wird der alte Kommandant seine Feuerwehrlaufbahn fortsetzen – er wird Soldat und freut sich auf Einsätze mit weniger Verantwortung.
Text: Flavio Fuoli, Foto: Nadja Perola
René Kern ist Feuerwehrmann durch und durch: Seit 1994 dient er in der Urdorfer Feuerwehr und hat sich bis zum Hauptmann und 2021 zum Kommandanten hochgearbeitet. Nun übergibt er, 49 Jahre alt, altershalber an seinen Stellvertreter Christian Ebnöther, welcher sein Amt am 23. November antreten wird. Normalerweise wäre dies das Ende einer beachtlichen Feuerwehrlaufbahn. Nicht für Kern: Er lässt sich degradieren, wird wieder Soldat und tritt dem vor sechs Jahren gegründeten Supportzug bei. «Bis vor zwei Jahren war ein Rücktritt mit 49 Altersjahren in der Feuerwehr Urdorf obligatorisch», erklärt der abtretende Kommandant die spezielle Situation, «aber für den Supportzug haben wir die Altersgrenze aufgehoben. Auch deshalb, um über mehr Personal verfügen zu können.»
Der Supportzug ist denn auch kein Einsatzzug, ist also nicht an vorderster Front tätig, sondern umfasst den Verkehrs- und Sanitätsdienst, die Führungsunterstützung sowie die Logistik. Was auch speziell ist: Im Supportzug gibt es keine Kaderfunktionen. «So werde ich der erste ehemalige Kommandant sein, der in der Feuerwehr bleibt, inklusive Degradierung…», sagt René Kern und lacht, «… aber die Urdorfer Feuerwehr war schon immer progressiv.»
Nun kehre er zu den unbeschwerten Anfangszeiten seiner Feuerwehrlaufbahn zurück. Nicht verhehlen kann er, dass das Amt mit viel Verantwortung verbunden ist, zumal er eine anspruchsvolle Kommandoperiode hatte: «Ich übernahm das Kommando unter erschwerten Bedingungen, es herrschte Pandemie und Lockout. Eine Zeit lang durften wir deshalb nicht mehr üben, mussten die Einsatzbereitschaft jedoch aufrechterhalten. Das war eine schwierige Zeit, denn eine Feuerwehr lebt auch von der Kameradschaft, zudem leisteten wir während dieser Zeit überdurchschnittlich viele Einsätze.»
Hinzu kam, dass während Corona viele ihr Privatleben neu ausgerichtet hatten. «Das war für uns eine kritische Phase, denn die Leute gewöhnten sich daran, nicht mehr regelmässig abends wegzumüssen. Wir konnten unsere Leute jedoch wieder zum Dienst motivieren und daraus eine neue, positive Dynamik entwickeln.»
Weil das Alterslimit für die Einsatzzüge nach wie vor gilt, muss sich die Feuerwehr Urdorf stetig um Nachwuchs kümmern. «Dies gelingt uns sehr gut, was das Verdienst des gesamten Kaders ist, in dem wir ein sehr gutes Verhältnis untereinander haben», erklärt Kern diesen erfreulichen Aspekt. «Im neuen Jahr werden wir mit einem Mannschaftsbestand von beinahe 70 Personen starten, was wir seit Jahren nicht mehr durften.»
Erfreulich sei, dass der Frauenanteil in der Feuerwehr Urdorf stetig steige: «Wir haben zwölf Frauen in den Einsatzzügen und deren sechs im Supportzug. Dies hat sich zu früher total verändert. Heute sind Frauen in der Feuerwehr eine Selbstverständlichkeit. Sie sind top ausgebildet, top motiviert und stehen den Männern im Einsatz in nichts nach. Diese Qualität spürt man, was immer wieder neue Frauen zum Feuerwehrdienst zieht.» Was René Kern ein Anliegen ist: «Die jungen Leute bei uns, ob Frauen oder Männer, die sind alle sehr motiviert, keine Spur von «die Jungen wollen ja nicht mehr», im Gegenteil! Wir verzeichnen denn auch eine sehr hohe Übungs- und Einsatzteilnahme.»
Die Urdorfer Feuerwehr sei absolut adäquat ausgerüstet, was auf die sehr gute Unterstützung durch Verwaltung und Politik zurückzuführen sei, denkt Kern. So hat man erst dieses Jahr ein neues Material- und Modulfahrzeug in Betrieb genommen, welches für die Öl- und Wasserwehr ausgerüstet ist und je nach Bedarf mit weiteren Modulen ergänzt werden kann. «Wo wir hingegen nicht auf dem Stand der Zeit sind, ist das Feuerwehrlokal an der Birmensdorferstrasse», spricht er ein bekanntes Problem an. «Wir haben darin eindeutig zu wenig Platz. Aber ein Ersatz ist Bestandteil der Immobilienstrategie der Gemeinde.»
René Kern betont, dass Feuerwehr immer auch Teamarbeit bedeute. Und er sei sich sicher, eine top motivierte Führung – zum Kommando gehört nebst Christian Ebnöther auch Ausbildungschef Roland Müller – ein ebensolches Kader und eine ebensolche Mannschaft zu hinterlassen. «Urdorf darf stolz sein, eine so gut ausgebildete, ausgerüstete und motivierte Feuerwehr zu haben, das ist nicht selbstverständlich. Dabei durfte ich 2021 bereits eine sehr gute Organisation übernehmen. Ein Grund dafür ist, dass wir auf allen Ebenen sehr transparent operieren. Wir sind eine coole Truppe, ich freue mich jedenfalls auf weitere Einsätze – und dass ich die Verantwortung in neue Hände übergeben darf.»
Artikel erstmals erschienen im Urdorf Aktuell No 146, November 2025